UX Camp Bremen 2026: Zwischen KI, Designsystemen und echtem Austausch

Teilnehmende des UX Camp Bremen 2026

Für einen Tag wurde der Schuppen Eins in der Bremer Überseestadt wieder zum Treffpunkt der UX-Community: Beim UX Camp Bremen 2026 kamen rund 60 Teilnehmende zusammen, um sich über UX, Research, Designsysteme, KI und die Zukunft unserer Arbeit auszutauschen. Direkt am Europahafen entstand eine offene, entspannte Atmosphäre, die das Barcamp von Beginn an geprägt hat – mit vielen Gesprächen zwischen den Sessions, neuen Kontakten und spannenden Diskussionen bis in die Kaffeepausen hinein.

Check-in beim UX Camp Bremen 2026

Wer das UX Camp Bremen noch nicht kennt: Anders als klassische Konferenzen lebt das Barcamp-Format vom aktiven Austausch. Die Teilnehmenden gestalten das Programm selbst, bringen Themen mit, diskutieren Herausforderungen aus ihrem Arbeitsalltag und teilen Erfahrungen auf Augenhöhe. Genau diese Mischung aus Offenheit, Neugier und Praxisnähe macht das UX Camp jedes Jahr besonders.

Die Keynote: Von „Innovate – Ideate – Create“ zu „Prompt – Review – Prompt“

Schon zum Start war klar, dass sich ein Thema wie ein roter Faden durch den Tag ziehen würde: Künstliche Intelligenz und die Frage, wie sich UX-Arbeit gerade verändert. Nach einem gemeinsamen Warm-up ging es direkt in die Keynote von Xaver Bodendörfer: „Von Innovate – Ideate – Create zu Prompt – Review – Prompt“.

Keynote Speaker Xaver Bodendörfer bei seiner Präsentation

Xaver nahm die Teilnehmenden mit auf eine Reise durch die Entwicklung der UX-Arbeit der letzten zehn Jahre. Von Wireframes in Balsamiq und Axure über Remote-Research, Adobe XD, Sketch und Designsysteme in Figma bis hin zu den aktuellen Möglichkeiten durch KI-Tools und Agenten. Dabei ging es nicht nur um neue Werkzeuge, sondern vor allem um die Frage, wie sich Rollen, Prozesse und Zusammenarbeit verändern.

Besonders spannend waren die konkreten Einblicke in aktuelle KI-Anwendungen im UX-Kontext: Wie können KI-Tools bei Research, Ideation oder Prototyping unterstützen? Wo sparen sie Zeit – und wo entstehen neue Risiken? Xaver zeigte Chancen, aber auch Herausforderungen auf und wagte einen Blick in die Zukunft unserer Disziplin. Als Psychologe und Geschäftsführer einer UX- und Designagentur brachte er dabei nicht nur technologische Perspektiven mit, sondern auch den Fokus auf mentale Modelle, Nutzungskontexte und sinnvolle KPIs.

Was hängen bleibt: In unserem Job ging es nie nur darum, Screens zu gestalten, sondern immer darum, Probleme zu lösen. Und diese Aufgabe wird uns noch eine Weile erhalten bleiben.

Designsysteme, UX Research und die Zukunft von UX

Die anschließenden Sessions griffen viele dieser Gedanken auf und entwickelten sie weiter. Eine Auswahl wollen wir euch hier schonmal vorstellen:

  • In „Mehr als nur Komponenten – Designsysteme @bonprix“ gab Sabrina Deets im Show-and-Tell-Format Einblicke in die Arbeit mit Designsystemen in großen Unternehmensstrukturen. Dabei wurde deutlich, dass Designsysteme weit mehr sind als Komponentenbibliotheken: Sie schaffen gemeinsame Sprache, Prozesse und Zusammenarbeit über Teams hinweg.
  • Einen interaktiven Blick in die Zukunft der UX-Rolle bot Celina Breitenborn mit ihrer Session „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden mithilfe von Kreativtechniken mögliche Zukunftsszenarien für UX Designer:innen entwickelt. Zwischen Optimismus, Unsicherheit und neuen Möglichkeiten entstand eine intensive Diskussion über Kompetenzen, Verantwortung und Veränderung.
  • Wie KI-Tools bereits heute konkret in Designprozessen eingesetzt werden können, zeigten Christos Zarampoukas und Tim Schnakenberg in ihrer Session zu „Agentic Designsystems mit Claude Code/Figma“. Die Mischung aus Vortrag, Live-Demo und offenem Austausch machte die Session besonders praxisnah. Gemeinsam wurde experimentiert, getestet und diskutiert, welche Potenziale – aber auch Grenzen – AI-gestützte Workflows aktuell haben.
  • Mit der Frage, welche Rahmenbedingungen UX-Rollen künftig brauchen, beschäftigten sich Sören Brüntrup und Niklas Meyer. Im Fokus stand dabei vor allem die stärkere Etablierung von Discovery-Arbeit in Unternehmen. Die Diskussion zeigte deutlich, wie wichtig strategische Verankerung, Vertrauen und organisatorische Unterstützung für wirksame UX-Arbeit sind.

Zwischen Skepsis und Begeisterung: Wie KI die UX-Welt verändert

  • Einen gesellschaftlich besonders relevanten Blickwinkel brachte Christian Graf mit seiner Session „Elefant durchs Nadelöhr – gute UX für öffentliche Dienstleistungen“ ein. Anhand konkreter Beispiele wurde diskutiert, welche Herausforderungen digitale Verwaltungs- und Serviceangebote mit sich bringen – und warum verständliche, zugängliche und nutzerzentrierte Gestaltung gerade dort entscheidend ist.
  • Mit den Herausforderungen von UX-Research unter realen Projektbedingungen beschäftigte sich schließlich Timo Jahnke. Unter dem Titel „Research unter erschwerten Bedingungen“ ging es um B2B-Kontexte, knappe Budgets, fehlende Zeit, interne Widerstände und schwierige Rekrutierung. Die Diskussion machte deutlich, wie viel Pragmatismus, Kommunikation und Kreativität oft nötig sind, um Research trotzdem wirksam zu machen.
  • Dass die aktuelle KI-Dynamik nicht nur Begeisterung auslöst, sondern auch Ermüdung und Skepsis, thematisierte Yasser Maslout-Siegfried in „Sick of AI? Let’s talk about it!“. Die Session bot Raum für ehrliche Diskussionen über Hype, Überforderung und kritische Perspektiven auf KI im Arbeitsalltag – ein Thema, das bei vielen Teilnehmenden sichtbar einen Nerv getroffen hat.

Austausch auf Augenhöhe am Europahafen

Zwischen Sessions, Kaffeepausen und Mittagessen wurde überall weiterdiskutiert. Das vegane Curry zum Mittag und die Kuchen am Nachmittag sorgten dafür, dass alle energiereich durch den Tag kamen – mindestens genauso wichtig war aber die Energie, die durch den offenen Austausch entstanden ist. Genau das macht das UX Camp Bremen jedes Jahr besonders: Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven kommen zusammen, teilen Wissen, hinterfragen Gewohntes und entwickeln gemeinsam neue Ideen.

Viele Gespräche drehten sich in diesem Jahr um die Veränderungen durch KI. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass nutzerzentriertes Denken, gute Kommunikation, kritisches Hinterfragen und echte Zusammenarbeit weiterhin zentrale Bestandteile unserer Arbeit bleiben. Vielleicht verändern sich gerade unsere Werkzeuge und Prozesse – der Austausch innerhalb der Community wird dadurch aber eher wichtiger als weniger wichtig.

Danke an alle Session Hosts, Sponsor:innen und Teilnehmenden

Wir möchten uns herzlich bei allen Session Hosts bedanken, die ihre Erfahrungen, Fragen und Perspektiven eingebracht haben und damit diesen Tag möglich gemacht haben. Ebenso geht ein großes Dankeschön an unsere Sponsor:innen und Special Partners: worldiety, Sparkasse Bremen, neusta mobile solutions, German UPA und Crew Innovation.

Die Session Hosts des UX Camp Bremen 2026

Und natürlich danke an alle Teilnehmenden, die das UX Camp Bremen 2026 mit ihrer Offenheit, Neugier und ihren Diskussionen zu einem inspirierenden Tag gemacht haben.

Wir freuen uns auf‘s nächste UX Camp Bremen

Wir nehmen viele neue Gedanken, Perspektiven und Ideen mit – und freuen uns jetzt schon auf das nächste UX Camp Bremen 2027.

Clara Gies

UX Designerin bei team neusta