Hey, Du kannst das tolle neue Ding hier haben. Oder naja, das gleiche Ding aber in nachhaltig, viel teurer, etwas angestaubt, eventuell gebraucht oder sogar nur geteilt. Für welche Option entscheidest du dich und warum?
Original jede Website, jede App, jeder Shop ist so aufgebaut. Warum nur? Weil grün im Mainstream immer noch nur ein Add-on ist, ein extra Feature, ein zusätzliches Verkaufsargument für eine kleine umweltbewusste zahlungskräftige Zielgruppe. Oft muss man die nachhaltige Option immer erst suchen. Außerdem wird beim Thema Nachhaltigkeit immer über Verzicht, Bevormundung, Ausschluss von besseren, schnelleren, bequemeren Optionen geredet. Das erzeugt verständlicherweise Fear of missing out bei User:innen. Klar, dass die meisten sich gegen die grüne Option und für die schnelle, unkomplizierte, zunächst bequemere Lösung entscheiden.

Grün in den Fokus setzen
Umweltfreundlich muss gar nicht uncool sein. Nachhaltigkeit hat immer noch zu Unrecht ein angestaubtes Hippie-Image und wird von den meisten als nicht wichtig genug erachtet. Warum? Weil es wenn überhaupt immer erst die zweite Wahl ist. Das müssen wir dringend ändern: In der Reihenfolge, in der Kommunikation und Anordnung der Optionen. Überall, in allen Kontexten in denen es um Konsumentscheidungen im weitesten Sinne geht. Das Abwägen von moralischen oder ethischen Fragestellungen wird so nicht allein den User:innen überlassen. Wir legen den Fokus darauf und kommunizieren damit, dass uns das Thema Umweltfreundlichkeit am Herzen liegt. Wir setzen umweltverträglichen und verantwortlichen Konsum und Gestaltung an erste Stelle.

Weniger schafft mehr Bewusstsein
Reduktion und klare gezielte Gestaltung ist schon immer ein Qualitätsmerkmal für Design gewesen. Reduziertes Design wirkt und kann das Verhalten und Entscheidungen nachhaltig beeinflussen – zum Guten wie zum Schlechten. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Darin liegt die große Verantwortung als Designer:innen. Es ist nicht egal, an welcher Stelle Interaktion und Partizipation geschieht, an welcher Stelle Entscheidungen getroffen werden. Tagtäglich entscheiden wir mit unseren Designs und User Flows welche Möglichkeiten User:innen haben, um Informationen abzurufen, Arbeitsschritte durchzuführen, möglichst unkompliziert zum Checkout zu gelangen.
Auch Reduktion von unreflektiertem Konsum, von verschwenderischem Materialeinsatz, von unbrauchbaren Produkten mit schädlichen Nebeneffekten, von unnötigen Lieferwegen, von körperlichem Einsatz, von zu viel Energieverbrauch ist eine mögliche Designentscheidung. Das ist unsere Chance: Lasst uns dafür sorgen, dass die erste Option immer die umweltfreundlichste ist. Gute Anhaltspunkte für nachhaltige Shopgestaltung dazu liefert das Projekt Kind Commerce.

Sustainable Web Design und UX
Das Web ist ziemlich energiehungrig und verschwenderisch aufgebaut. Die Web Sustainability Guidelines bilden dazu den Gegenentwurf, wie man das Web überlegter und nachhaltiger gestalten kann. Dabei geht es vorrangig darum, wieviele Daten geladen werden wüssen, um den Content anzuzeigen. Je komprimierter das Format und die Menge eingesetzter Bilder, Videos, Skripte für Animationen und Zusatzfunktionen, desto kleiner die Website und der damit verbundene Carbon Footprint.
Mit diesen Voraussetzungen im Hinterkopf schlägt sich das in unseren Designs in Form von Umfang und Anordnung des Contents nieder: Wieviel Text, wieviele Bilder, Videos, Animationen, Dialoge sind tatsächlich nötig, um das Produkt, den USP, das Angebot bestmöglich zu kommunizieren? Ein starkes Key Visual genügt meistens um die emotionale Ebene anzusprechen, der Rest kann auf der Textebene, im Layout und der Hierarchie abgefangen werden.

Sustainable UX Network Bremen
Seit der Keynote des letzten UX Camps 2024 von Thorsten Jonas lässt mich das Thema Sustainable UX nicht mehr los. Die Chance mit meiner Arbeit als Designer einen wirklichen Impact darauf zu haben, Leute mit meiner Gestaltung zum Nachdenken und Hinterfragen der Gewohnheiten anzuregen, allein mit der Form der Ansprache und strategischen Schritten zur Reduktion von Inhalten beizutragen – das alles hat mich sprichwörtlich nachhaltig begeistert und aktiviert.
Deshalb habe ich mich anschließend entschlossen das Local Chapter Bremen des Sustainable UX Networks ins Leben zu rufen und dieses Thema in meinem professionellen Umfeld zu pushen.
Komm dazu und werde Sustainable UX Designer!


Simon Fenske
Sustainable UX Design Strategist ·
Green Web Developer bei HEC GmbH

