Sustainable UX by default?

Diskussionsrunde über Sustainable UX

Beim UX Camp Bremen am 4. Mai haben wir uns über aktuelle Themen im Bereich User Experience ausgetauscht. Den Auftakt machte Thorsten Jonas mit der Keynote „Beyond User-Centricity – designing sustainable digital products“.

Die digitale Infrastruktur, auf der all unsere digitalen Produkte basieren, verursacht eine erhebliche Umweltbelastung. Thorsten Jonas betonte die immense Wichtigkeit, nachhaltige User Experiences zu schaffen. Schnell wurde klar, dass Nachhaltigkeit weit über den CO2-Ausstoß und Umweltauswirkungen hinausgeht. Sustainable UX bezieht sich auf alle Sustainable Development Goals. So ist es zum Beispiel wichtig, dass wir bei der Gestaltung nachhaltiger Produkte alle Akteure des Ökosystems berücksichtigen und nicht nur die Endnutzer:innen. Inspiriert von Thorsten’s Keynote stellte ich in meiner Barcamp-Session zur Diskussion, ob wir als UX Designer:innen „Sustainability by default“ anstreben sollten.

Zum Hintergrund

Ich wurde kürzlich bei einer Online-Bestellung gefragt, ob ich einen wiederverwerteten Karton für den Versand verwenden möchte. Die entsprechende Checkbox war nicht standardmäßig aktiv, was mich zum Nachdenken brachte: Warum ist hier die nachhaltige Option nicht der Default?

Eine lebhafte Diskussion

Die Session startete mit einem Austausch über die verschiedenen Facetten einer nachhaltigen User Experience. Ein zentrales Argument dafür, nachhaltigere Optionen als Standard zu setzen, ist der umfassende positive Einfluss auf die Umwelt und die Gesellschaft. Standardmäßig wiederverwertete Kartons zu nutzen, reduziert nicht nur den Ressourcenverbrauch und Abfall, sondern schärft auch das Bewusstsein der Nutzer:innen für nachhaltige Praktiken. Darüber hinaus könnten wir durch die Berücksichtigung der Sustainable Development Goals, wie fairer Handel, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Inklusion, die User Experience umfassend nachhaltig gestalten.

Herausforderungen

Natürlich gab es auch Bedenken. Einige Teilnehmer:innen betonten, dass nicht alle Nutzer:innen die gleichen Prioritäten haben. Die Einführung nachhaltiger Standards könnte Frustration auslösen, wenn sie nicht den individuellen Bedürfnissen entsprechen. Zudem wurde diskutiert, ob eine ausschließliche Fokussierung auf Nachhaltigkeit andere wichtige Aspekte der User Experience beeinträchtigen könnte, wie zum Beispiel Kosten.

Ein offenes Ende

Die Session „Sustainability by default?“ war ein spannender und inspirierender Austausch, der viele unterschiedliche Perspektiven beleuchtete. Die Diskussion führte zu keinem eindeutigen Schluss, sondern eröffnete vielmehr einen fortlaufenden Dialog. Es wurde deutlich, dass es keine einfache Antwort darauf gibt, wie wir als UX Designer:innen Nachhaltigkeit optimal in User Experiences einbauen. Über eins waren wir uns jedoch alle einig: Wichtig ist, dass es passiert  ­– ob default oder nicht.

Ich möchte mich herzlich bei allen Teilnehmer:innen für ihre wertvollen Beiträge bedanken und hoffe, dass diese Diskussion als Anstoß für weitere Überlegungen und Handlungen in Richtung Sustainable User Experience dient.

Celina Breitenborn

UX Designerin bei neusta experience